Die Wortmarke der Stiftung Tabubrücke

Ein Beitrag von Frank Hildebrandt, Grafik & Design

Wenn man ein Logo für eine Stiftung entwickelt, die sich Tabus zum Thema gemacht hat, kann man es sich nicht einfach machen. Eine glatte, sofort lesbare Wortmarke hätte nicht gepasst – TabuBrücke ist kein Name, der sich auf den ersten Blick erschließen soll. Also habe ich mir die Frage gestellt: Wie sieht eine Marke aus, die genau das spürbar macht, worum es bei einem Tabu eigentlich geht?

Die Idee hinter der Wortmarke

STIFTU / NG TABUBRÜ / CKE – auf den ersten Blick wirkt das wie ein Satzbau-Fehler. Genau das ist Absicht.

Die Wortmarke irritiert, verlangsamt und fordert genaueres Hinsehen. Das Tabu zeigt sich durch die bewusste Unterbrechung des Leseflusses: Wörter werden mitten im Lesefluss zerschnitten, „Stiftung“ und „TabuBrücke“ verschränken sich ineinander, statt brav nebeneinander zu stehen.

Die Brücke entsteht erst im Wiederzusammensetzen der Fragmente – im Kopf der Betrachtenden. Man muss aktiv mitarbeiten, um den Namen zu entschlüsseln. Genau das ist der Punkt: Wir setzen auf bewusste Wahrnehmung und fordern aktive Beteiligung, anstatt Inhalte einfach nur zu konsumieren.

Zwei Kurzformen für den Alltag

Die Hauptmarke ist bewusst sperrig – aber nicht jede Anwendung erlaubt diese Komplexität. Deshalb gibt es zwei reduzierte Varianten:

  • Vertikale Kurzform – für institutionelle, offizielle Anwendungen und Beschilderung
  • Horizontale Kurzform „TBBRCK“ – für Social Media, Icons und alles, wo es schnell und kompakt sein muss

Beide Kurzformen tragen die gleiche Grundidee in sich, nur eben heruntergebrochen auf das, was auf einem kleinen Icon oder Schild noch funktioniert.

Wie sich das in der Praxis zeigt

In der Zwischenpräsentation haben wir die Marke bereits an ein paar Anwendungsfällen durchgespielt: als Türschild an einer efeuberankten Backsteinwand, als geprägte Briefkopf-Marke, auf Visitenkarten in Schwarz-Weiß und in kräftigem Orange-Pink, als gewebtes Label, auf Eintrittsbändchen und als Fahne. Auch ein Social-Media-Post mit dem kompakten „TBBRCK“-Icon war Teil des Tests – wichtig war uns zu sehen, ob die Marke sowohl ruhig und seriös als auch laut und sichtbar funktioniert, je nach Kontext.

Nächster Schritt: die Farbwelt

Die Wortmarke selbst steht. Was jetzt noch fehlt, ist die endgültige Farbwelt der Stiftung. In den Anwendungsbeispielen ist bereits ein warmer Verlauf von Orange über Pink zu erkennen – das ist eine erste Richtung, aber noch nicht final festgelegt. Genau daran arbeiten wir als Nächstes.